Poetry

Bela Chekurishvili. Hugin und Munin

  Bela Chekurishvili. Margo ist fort
Hugin und Munin (Denken und Erinnern)
 
Hugin und Munin müssen jeden Tag
Über die Erde fliegen.
Ich [Odin] fürchte, dass Hugin nicht nach Hause kehrt;
Doch sorg ich mehr um Munin. (aus der Lieder-Edda)
 
Lang ist es her, dass ich Hugin verlor.
Munin sitzt morgens auf meiner Schulter, wenn ich erwache.
Während ich träume, beschützt er mich.
 
Dann fließt das Blut anders in meinen Adern.
Es sammelt sich in der Nähe des Herzens
und quillt hervor.
Dann beginnt mein Haar zu wachsen,
legt sich als Schlinge um meinen Hals
und fast wäre ich daran erstickt,
hätte nicht Munin mit einem Flügelschlag
von jenem Tag, jener Stunde erzählt,
als du gegangen bist, ohne dich noch einmal umzudrehen. 
 
Wo er die Dinge aus meiner Heimat verwahrt,
die ich wie Sand aus meinen Versen streute,
sieht man ihm von außen nicht an.
Er trägt sie vielleicht im schwarzen Gefieder,
hält sie zwischen den Rippen verborgen,
oder notierte sie auf sein Schlüsselbein.
Sie tauchen den Körper in weißes Licht
und kommen erst nach dem Tod in Sicht.

Aus: Bela Chekurishvili. Margo ist fort. Verlag das Wunderhorn.2026


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