Der rote Halbmond

Der rote Halbmond

 

Käme mich nur meine Freundin besuchen,

die in die Ferne gezogen ist,

und brächte, wie vormals, auf ihrem Arm,

ein Stück Wassermelone mit –

ein roter Halbmond, voll vom Duft des Sommers

und den Geschichten der Wiesen.

 

Wie vormals färbte sie mein gelöstes Haar,

Zu Spinnfäden zwischen ihren Fingern verdichtet,

und gäbe ihm verschiedene Farben,

um einen bunten Teppich zu weben, für alles, was kommt.

Eh unser Fühlen zu Mustern erstarrt,

könnten wir unter Lieben und Lachen

Stimmen und Träume einander verflechten.

 

Käme mich nur meine Freundin besuchen,

die in die Ferne gezogen ist –

die Wanne füllte sich mit weißem Schaum,

mit weißen Rosen, entblößten Wünschen,

ähnlich der Bräune vergangener Sommer,

die man an unseren Körpern noch sieht.

 

Jetzt breite ich mein gelöstes Haar

vor dem Spiegel, der Pinsel liegt da.

Vom Sommerhimmel der echte Halbmond

sieht von oben, wie einsam ich bin.

 

Aus: Bela Chekurishvili. Margo ist fort. Verlag das Wunderhorn. 2026


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